8. Dezember 2013

"Alternativer Menschenrechtsbericht für Nürnberg" in 2013

Unter dem Label "In der Presse" legen wir Veröffentlichungen über uns ab, damit sie nicht verloren gehen. Wir sind für jede Berichterstattung dankbar und bitten Sie, die verlinkte Seite zu besuchen.

Direkter Link zum PDF mit dem Artikel, diesmal ausnahmsweise eine Veröffentlichung von uns selbst: http://www.alternativer-menschenrechtsbericht.de/Bilder/inhalt_2013.pdf (ab Seite 67)




Kulturgerechte Unterbringung von Flüchtlingen - ein Modell

Von Günter Reichert

Das Thema Asyl war vor 20 Jahren ein großes Thema, ist heute ein großes Thema und wird wohl in 20 Jahren ein Thema sein. Grund genug, darüber nachzudenken, wie eine bedürfnisgerechte Unterbringung unserer Gäste planerisch auszugestalten ist, um kulturbedingte Erfordernisse ausreichend erfüllen zu können.

Einige Positionen der Unterbringung bedürfen einer gesonderten Betrach- tung, um eine kulturgerechte Unterbringung der Flüchtlinge anderer Kultur- kreise sicher zu stellen. Hierbei geht es nicht um eine quantitative Erhöhung der gesetzlichen Mindestanforderungen von derzeit 7 Quadratmetern je Flüchtling, sondern um die qualitative Ausformulierung unter Berücksichti- gung der kulturellen oder religiös bedingten Unterschiede.

Wer beispielsweise die abgeschirmten Wohnverhältnisse mit den hausum- schließenden meterhohen Mauern in Afghanistan oder die religiös oder kulturell bedingte Verschleierung einiger Kulturkreise kennt, kann sicherlich nachvollziehen, welche kulturelle oder religiöse Einschränkung es bedeutet, gemeinschaftlich genutzte Sanitärräume in Sammelunterkünften nutzen zu müssen.

Das Bedürfnis nach familiärer Abgeschlossenheit ist Bestandteil vieler Kul- turen, welche jedoch oftmals keine Entsprechung bei der Unterbringung von Flüchtlingen in umgebauten Gewerbe-Immobilien finden kann.

Derzeit ist - wie bei fast jeder Krise, jedem Bürgerkrieg oder kriegerischen Auseinandersetzung - die Unterbringung der Asylsuchenden aufgrund der Vielzahl von Asylbewerbern als sehr angespannt zu sehen, da zu wenige Un- terkünfte zur Unterbringung der Flüchtlinge zur Verfügung stehen.
Asyl ist eben nur bedingt planbar - aber es ist planbar.

Wir wissen heute, dass es immer mehr Flüchtlinge geben wird. Wir sollten dieses Wissen dafür verwenden, entsprechende planerische Überlegungen zur bedarfsgerechten Ausformulierung der Asylbewerberheime und pri- vaten Beherbergungsstätten anzustellen. Die Zurverfügungstellung eines quantitativ und qualitativ immer ausreichenden Angebots von Unterbrin- gungsmöglichkeiten für die oftmals stark wechselnde Anzahl von Flüchtlin- gen und Asylsuchenden bedarf eines Umdenkens.

Wie überall geht es auch hierbei um die Finanzierung einer entsprechenden Umsetzung, aber auch um die Nachhaltigkeit entsprechender Überlegungen. Die planerische Berücksichtigung einer mehrfachen Nutzungsmöglichkeit ermöglicht die Einbindung von Investoren, welche entsprechende qualita- tive und quantitative Randbedingungen eines bedarfsgerechten Entwurfs bei einer langfristigen Nutzungssicherheit problemlos umsetzen können.

Eine standardisierte Grundrissgliederung, welche eine Nutzung als Hotelzim- mer, als Studentenappartement oder eben auch als Beherbergungsstätte für Asylsuchende ermöglicht, kann flexibel eingesetzt werden und verspricht somit auch interessant für Investoren zu werden. Durch das Ausweisen ent- sprechender Bauflächen mit günstiger Anbindung an den öffentlichen Nah- verkehr können Städte und Gemeinden ihren Beitrag hierbei leisten.

Wir sollten beginnen, langfristiger und damit nachhaltiger zu denken und zu planen und nicht nur auf Krisen, wirtschaftliche Not oder Kriege zu reagie- ren und / oder in politischen Zeitabschnitten zu denken. Eine kulturgerechte und damit menschengerechte Unterbringung der Flüchtlinge bringt letzt- endlich nur Gewinne. Gewinne für Asylsuchende und Flüchtlinge, für unsere Gesellschaft, für die Verwaltung, für die sozialen Dienste, für das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland, aber auch für die Investoren, die für eine entsprechende Realisierung benötigt werden.

Beginnen wir mit einer nachhaltigen, flexiblen und menschgerechten Pla- nung und deren Umsetzung!
Grundlagen der Grundrissstudie

Modulare Grundform

• DermodularaufgebauteGrundrisssiehtstandardmäßigdieUnterbringung von einer und von zwei Personen vor. Somit ist standardmäßig die Unterbrin- gung von drei Personen je Modul vorgesehen.

• JedesModulverfügtübereineeigeneNasszellemitWaschbecken,Dusche, WC; optional findet sich noch Platz für eine Waschmaschine mit Trockner oder ein Regal mit den maximalen Abmessungen von 60 x 60 cm.

• JedesModulverfügtübereinenkleinenVorraummiteinerkleinenKochein- heit zwischen den beiden Zugangstüren zu den Zimmern.

• Durch Wegfall eines direkten Zugangs von den Zimmern zu den Fluren durch den Vorraum wird eine zusätzliche Schutzzone des privaten Bereichs geschaffen.

• Durch die Entnahme einer Trockenbauwand zwischen den beiden Zim- mern können die beiden Zimmer bei Bedarf verbunden werden (z. B.: Eltern mit Kind).

• Durch eine Türöffnung zwischen zwei Modulen kann auch ein zusammen- hängender Raum für 5 Personen geschaffen werden (familiengerecht).

Eine flexible Nutzung kann nicht nur zwischen einzelnen modularen Grund- rissen hergestellt werden, sondern es besteht auch die Möglichkeit, eine ge- mischte und trotzdem klar abgegrenzte Nutzung - durch vertikale oder / und horizontale Strukturierung - von Hotelzimmer, Studentenappartement und der Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern erfolgen.

Günter Reichert ist Architekt und Gründer der Asylothek

alternativer-menschenrechtsbericht.de

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